Sonntag, 9. Oktober 2011

Ausstellungseröffnung und Weg-Einweihung

Heute war ich bei einem offiziellen Termin in unserer Gemeinde.
Es ging um den akademischen Maler Professor Georg Erler, den die Kriegswirren 1945 nach Ainring verschlagen hatten. Er stammte aus Dresden und hatte beim dortigen Bombenangriff seine beiden Ateliers, seine Bilder und all sein Material verloren. Bis zu seinem Tod im Jahr 1950 lebte er in unserer Gemeinde in sehr ärmlichen Verhältnissen. Allerdings ging es ihm da nicht anders, als den übrigen Einwohnern. 
Da er für Essen, Brotzeit oder das Instandhalten und Waschen seiner Wäsche stets mit Zeichnungen "bezahlte" ist eine große Anzahl von Bildern erhalten. Auch seine Enkelsöhne stellten für die Ausstellung bereitwillig Bilder und Zeitzeugnisse, wie Briefe, Tagebücher usw. zur Verfügung.


Dieses Aquarell ist 1946 entstanden und ich war ganz hingerissen von der Darstellung. Zeigt es doch rechts neben der Kirche die Grundschule Feldkirchen, in die ich 1950 eingeschult wurde. Damals hatte die Schule nur  vier Klassenräume, erst 1955 wurde sie vergrößert.
Das große Haus im Vordergrund existiert heute noch, natürlich umgebaut und modernisiert und darin befindet sich ein Gasthof.



Prof. Erler liebte es, ländliche Szenen darzustellen, wie hier das Ochsengespann mit Bauer in Andacht vor dem Kreuz. Ochsengespanne waren in meiner Kindheit noch an der Tagesordnung.



In liebevollen Karikaturen hat er sich und seine Umwelt dargestellt. In der obigen Zeichnung werden dem Künstler unerwartete Avancen von einer Landschönheit,
mit dem damals in Alpengegenden häufig anzutreffenden Kropf,  gemacht. 


Wenn der Stier zur Kuh geht, hält sie der Bauer fest und der Tourist fotografiert das Spektakel.
Vorne wieder eine Landschönheit mit Kropf. Diese "Halsvergrößerung" wurde durch den Jodmangel im Wasser verursacht.

Unzählige solcher zauberhaften Karikaturen und viele Zeichnungen und Aquarelle sind in der Ausstellung zu sehen. Wenn jemand hier in der Gegend wohnt, kann er die Ausstellung noch bis zum 23. Oktober besichtigen. Geöffnet ist sie jeweils 
Freitag und Samstag von 14 bis 17 Uhr und 
Sonntag von 11 bis 17 Uhr.
Ort der Ausstellung: Haus der Kultur, Am Alten Schulhaus 5, 83404 Ainring.


Gleich vor dem Haus der Kultur wurde vor der Ausstellungseröffnung zu Ehren von Professor Erler ein Weg eingeweiht.




Und speziell für Unikum-Eve ein Bergfoto von heute. 
Ich schätze mal, dass die Schneefallgrenze bei ca. 800 m liegt, brrrrrrr...........!!!

Kommentare:

  1. hui, du lebst in den Bergen ??? unsere Berge sind Deiche ;-))) ganz liebe Grüße von Kathrin

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  2. Dreimalsoifz !!!
    Danke Du Liebstigste fürs Foddo ! Ich hab ja schon seit einer Woche den Kachelofen an, mich juckt der Schnee gar net, außer dass ich ihn gerne sehen däd. Aber natürlich nur vor so einer herrlichen Kulisse.

    Die Bilders vom Professore sind herrlich ! Besonders aber, weil sie eben Geschichten erzählen und Du einen Bezug dazu hast. Ich finde es auch immer besonders spannend, wie sich ein Ortsbild verändert hat, meist leider zu seinem Ungunsten. Darum liebe ich auch solche Orte am meisten, die fast unverändert erhalten geblieben sind, möglichst ohne Schandmale der Zivilisation wie Hochspannungsleitungen und Hochhäuser.

    Wie klasse das ist, dass der Professor nun doch noch zu späten Ehren kommt und soviele Bilder erhlaten geblieben sind. Soll ich Dir ein Päckchen Trill-Sittich Futter schicken ? Da ist doch besonders viel Jod drin, nicht, dass Du mir noch an Kropf kriegst !!
    :-)

    Einen schönen Ahmt wünscht Dir
    Eve, die nach am Schweinsbraten mit 2 Klöß und Karottengemüs mit am Bier nun schlagartig arg müde ist :-)

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  3. I really love the mountains and snow. With us it snowed yesterday ... a living at sea:)

    Greetings:)

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  4. Hallo Renate,
    der Professor hatte wohl auch einen gesunden Humor. Seine Bilder sind wunderschön, ich bin immer über Aquarelle begeistert. Sie haben sowas Leichtes und sind doch schwer zu malen. Der Maler muss Farbe und Pinselführung perfekt beherrschen, man kann nichts beschönigen oder korrigieren, wie bei der Ölmalerei. Ein "Zille" eurer Region. Schön, dass er so spät noch geehrt wird.
    Schöne Grüße, Johanna

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  5. Liebe Renate,

    was für tolle Bilder! Besonders die Karikaturen finde ich großartig - so liebevoll und locker-leicht gemalt mit einem Spritzer Humor versehen, klasse!

    Solch alte Bilder mit Motiven aus der Heimat sind immer spannend, gelle?! Wie die Dinge sich verändern und doch so vertraut aussehen, sofort hat man die passenden Geschichten dazu im Kopf!
    Bei uns gab es vor zwei, drei Jahren mal eine Ausstellung mit alten Fotos aus dem "Dorf" (ich wohne ja in einem eher ländlichen Vorort von Köln). Ich hätte stundenlang schauen können - die alte Kirche, mein Elternhaus und die Straße, in der ich aufgewachsen bin, Orte an denen ich meine Kindheit verbracht habe - eine tolle Zeitreise!

    Wünsche Dir einen wunderbaren Start in die Woche - lt. Radio-Wettermann sollt Ihr ja "da unten" noch ein bisserl Sonne haben. Hier ist es heute recht grau.... brrrr!

    Liebe Grüße von
    Britta

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  6. Liebe Renate,

    vielen Dank für Deinen lieben Willkommens-Gruss, ich hab´mich soooo gefreut :-)

    Gerade habe ich schon Deinen sehr interessanten Post über Euren akademischen Maler studiert.
    Ich "oute" mich einfach mal als Kunst-Banausin ;-) sehr zum Leidwesen meines Mannes bekommt man mich so schnell in keine Ausstellung (mehr)
    Aber die Bilder die Du zeigst finde ich toll.... sie haben so einen grossen Bezug zur Realität .... und ich mag solch lebensnahe Bilder sehr.
    Ganz besonders gut gefällt mir die Zeichnung mit der Landschönheit *kicher* gut getroffen!

    Ich hoffe sehr, es geht Dir gut und ich habe natüüürlich etwas Sonne mitgebracht ;-) ... in meinem Herzen... und die schicke ich Dir mit einem lieben Gruß!

    Alles Liebe und bis bald
    Sonja

    P.S.: auch wenn ich mich ständig wiederhole.... was sind die schönsten Bilder von berühmten Malern gegen DEINE Porträts.... so schöne Bilder hast Du wieder von Dir gemacht; Du weisst ja, ich bin ein echter Fan von Dir!

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  7. Wow cooler Blog, total lustige Bilder, musst grad echt schmunzeln... komme jetzt öfter


    R.

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  8. als ich am montag vormittag dort vorbei fuhr, von wien zum heimflug ab münchen, lag alles in einer grauen suppe, doch am dienstag nachmittag zum abflug strahlte die sonne trotz fluglotsenstreik. diese bilder sind wunderschön, herr erler besaß nicht nur talent sondern auch eine spitze feder und beobachtungsgabe.

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