Als ich noch ein kleines Mädchen war von vielleicht 9 oder 10 Jahren - an das genaue Alter kann ich mich leider nicht erinnern - gab es in unserem kleinen Ort eine Frau, die sich der mühevollen Aufgabe unterzog, zu verschiedenen Anlässen (z.B. Muttertag und Weihnachten) mit uns Kindern Aufführungen einzustudieren und natürlich auch aufzuführen.
Es war etwa Mitte der 50er Jahre, als eine Weihnachtsaufführung in verschiedenen Akten in einem wirklich sehr großen Saal in unserer Gemeinde stattfinden sollte. Zu dieser Zeit war das allgemeine Unterhaltungsangebot noch eher spärlich (kein Fernsehen!) und da der Eintritt kostenlos war, platzte der Saal aus allen Nähten.
Meine Aufgaben waren:
Das Gedicht "Knecht Ruprecht" aufsagen,
bei einem Puppentanz mit verschiedenen Pärchen (z.B. Holländer) den Rokoko-Herrn zu mimen
und zum Abschluß der Veranstaltung, gleich im Anschluß an den Puppentanz, ein Gedicht aufzusagen.
Dazwischen gab es natürlich noch andere Programmpunkte, an die ich mich aber nicht erinnere.
Ich weiß auch von keinen Pannen, es lief alles perfekt ab.
Als der Puppentanz vorbei war, hätte ich nach vorne treten sollen, um mein Gedicht aufzusagen.
Doch ich trat nicht.
Unsere "Regisseurin" stand hinter den Kulissen und warf verzweifelt die Arme in die Luft und versuchte mich nach vorne zu scheuchen.
Doch ich ging nicht. Und es fiel auch kein Vorhang.
Atemlose Stille breitete sich im Saal aus in Erwartung dessen, was denn da noch kommen sollte.
Endlich, nach einer schmerzhaft langen Pause, tat ich meine Pflicht, trat nach vorne an den Bühnenrand und sagte folgendes Gedicht auf:
Ach, wenn es doch endlich
Weihnachten wär!
Verfasser unbekannt
Im Haus ist
alles so heimlich und still
ob es bald Weihnachten werden will?
Ich freue mich ja auf das Christkind so sehr!
Ach - wenn es doch endlich Weihnachten wär´!
Ich strickt ein paar Strümpfe für den Papa.
wisst ihr, was neulich mit denen geschah?
´s Christkind hat dran gestrickt wohl die ganze Nacht
und hat mir die Strümpfe fertig gemacht.
Und denkt - es verlor gar, als es verschwand
zwei Zuckerkringel, die Vater dann fand.
Ich hoffe, es bringt mir noch ein paar mehr!
Ach, wenn es doch endlich Weihnachten wär´!
In Vaters Stube darf ich nicht geh´n -
durchs Schlüsselloch darf man doch auch nicht seh´n!
Und für mein Leben gern wüsste ich doch,
wo es so lieblich nach Christbaum roch.
Vielleicht das Christkindlein drinnen war
ich fand auf der Schwelle ein Engelhaar -
und eine dicke, goldene Nuß -
Ach! Daß man auf´s Christkind so warten muß!
Und Mutti läßt mich jetzt immer allein -
sie sagt, sie müßte beim Christkindchen sein.
Ich freu mich ja auf das Christkind so sehr!
Ach, wenn es doch endlich Weihnachten wär !
ob es bald Weihnachten werden will?
Ich freue mich ja auf das Christkind so sehr!
Ach - wenn es doch endlich Weihnachten wär´!
Ich strickt ein paar Strümpfe für den Papa.
wisst ihr, was neulich mit denen geschah?
´s Christkind hat dran gestrickt wohl die ganze Nacht
und hat mir die Strümpfe fertig gemacht.
Und denkt - es verlor gar, als es verschwand
zwei Zuckerkringel, die Vater dann fand.
Ich hoffe, es bringt mir noch ein paar mehr!
Ach, wenn es doch endlich Weihnachten wär´!
In Vaters Stube darf ich nicht geh´n -
durchs Schlüsselloch darf man doch auch nicht seh´n!
Und für mein Leben gern wüsste ich doch,
wo es so lieblich nach Christbaum roch.
Vielleicht das Christkindlein drinnen war
ich fand auf der Schwelle ein Engelhaar -
und eine dicke, goldene Nuß -
Ach! Daß man auf´s Christkind so warten muß!
Und Mutti läßt mich jetzt immer allein -
sie sagt, sie müßte beim Christkindchen sein.
Ich freu mich ja auf das Christkind so sehr!
Ach, wenn es doch endlich Weihnachten wär !
An das Alles hätte ich mich natürlich nicht mehr erinnern könne, wenn es mir nicht meine Mutter erzählt hätte, als ich schon erwachsen war.
Sie meinte, mein langes Zögern vor dem Gedicht wäre dramaturgisch genial gewesen, weil das Publikum mittlerweile vor Spannung fast den Atem anhielt.
Ich hatte mal wieder einen Termin zu einer Fotosession mit mir - Adventfotos sozusagen.
Ich kann Euch nur empfehlen, in einen Spiegel zu fotografieren, ich schwöre Euch, ich sehe auf den Fotos mindestens 10 Jahre jünger aus, ohne irgend eine Retuschierung vorgenommen zu haben!
Aber eigentlich wollte ich nur meinen schönen neuen Walk-Janker zeigen, den mir mein Herzallerliebster geschenkt hat und den dicken warmen Schal, den ich vor kurzem erstanden habe.
Das war heute fast ein Roman - puhhhhh!!!











